Tücken des Weininvestments

In der internationalen Berichterstattung über das Weininvestment muss man leider immer wieder lesen, wie Anleger um ihr Geld geprellt werden. So ist es leider kein Einzelfall, dass Weinhandelshäuser (insbesondere in Großbritannien) Konkurs anmelden mußten und damit oftmals auch Kunden ihre georderten und bereits bezahlten en primeur Weine nicht erhalten haben. Ärger ist in solchen Fällen auf jeden Fall vorprogrammiert, da es immer auf den Einzelfall ankommt, ob ein Anleger sein Geld (oder einen Teil davon) zurückerhält oder nicht.

Einen anderen dreisten Fall kann man heute im Decanter nachlesen. Hier wurden Anleger übel reingelegt, indem ihnen von der Firma “Bordeaux Advisory” minderwertiger Wein als Investmentwein verkauft wurde.

Diese Fälle zeigen auf jeden Fall wie wichtig es ist, sich als Anleger im Vorfeld des Weininvestments sorfältigst zu informieren und sich Händler auszusuchen, die en primeur Käufe entsprechend absichern und Erfahrung im Bereich des Weininvestments aufweisen können.

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Marketwatch

Schaut man sich die momentane Preisentwicklung bei diversen Weinen an der Liv- Ex an, so sieht man,  dass die Preise zum Teil erheblich unter Druck geraten. Anscheinend wirkt sich die Subprime-Krise nun auch auf dem Weinmarkt aus. Persönlich könnte ich mir vorstellen, dass die größeren Weinfonds zum letzten Quartalsende einige Abflüsse zu verzeichnen hatten. Kündigungen sind meistens nur zum Quartalsende möglich, also Ende September. Die Auszahlungen erfolgen dann bis zu einem vorher festgelegten Zeitrahmen. Um diesen Folge leisten zu können, werden dann sukzessive Bestände aktiv abgebaut. “Aktiv” bedeutet in diesem Fall, dass die Geldseiten bedient werden, was dann bei einem entsprechend großen Spread auch mal zu einem ordentlichen Minus bei den einzelnen Weinen führen kann.

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Liv-Ex Monatsreport August 2007

Die Umsätze an der Liv-Ex waren im August unerwartet hoch und der Monat wurde mit einem Minus von 1.1 Prozent gegenüber dem Vormonat abgeschlossen. In Sorge um die Auswirkungen der Subprime- Krise bauten einige Händler ihre Weinbestände teilweise ab. Davon waren insbesondere die jüngeren Bordeaux-Jahrgänge (2004, 2003,2002,2001) betroffen, da diese erfahrungsgemäß eine hohe Liquidität aufweisen. Auf niedrigeren Niveau setzen dann Käufe von Handelsteilnehmern ein, die in Anbetracht des voraussichtlich schwierigen 2007´er Jahrgang die Preise als günstige Gelegenheit zum strategischen Positionsaufbau ansahen.

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WeInvestment trifft: Michael Unger

Auf meinem Rückweg aus dem wunderschönen Stubaital habe ich die Möglichkeit genutzt, mich mit Michael Unger von Ungerweine zu treffen. Im Vorfeld hatte ich bei dem Unternehmen angefragt und um einen Gesprächstermin gebeten. Obwohl Herr Unger terminlich sehr eingespannt war, hat es trotzdem geklappt. Dabei möchte ich einmal die sehr positive Art hervorheben, wie meine Anfrage bearbeitet wurde. Angefangen von der schnellen Antwort über die sehr hilfsbereite und freundliche Assistentin bis zum interessanten Gespräch selbst- der Begriff Dienstleistung scheint hier mit Leben ausgefüllt zu werden.

Gesprächsnotizen:

Die Nachfrage zum “Weininvestment” ist aus Sicht von Michael Unger in Deutschland bislang wenig ausgeprägt. Dabei sieht er das Thema persönlich auch relativ kritisch und es gibt im Unternehmen (welches er gemeinsam mit seinem Bruder führt) derzeit keine Bestrebungen, das Weininvestment gezielt aufzubauen. Grundsätzlich gibt es seiner Meinung dabei  zwei Arten, die es zu unterscheiden gilt. Auf der einen Seite die Investition über Weinfonds und zum anderen das private Investment. Insbesondere bei den großen Weinfonds sieht er dabei mehrere Gefahren, die zu beachten wären. So sei es für die hohen Beträge, die einige Fonds mittlerweile eingesammelt haben, schwierig, entsprechende investmenttaugliche Weine zu erwerben. Beim späteren Verkauf  sieht er das Problem (wie auch schon mehrfach hier im Blog geäußert), größere Positionen zu veräußern, ohne dabei Druck auf die Preise auszuüben. Zudem wird durch die Fonds zunächst zwar das Angebot aus dem Markt genommen, ihm aber zu einem späteren Zeitpunkt komplett wieder zugeführt, da die Flaschen nicht konsumiert werden. Dies könnte dann zu einem Überangebot und fallenden Preisen führen. Letztlich sieht Michael Unger auch die Gebührenstruktur der Fonds skeptisch, da die Nebenkosten für das Management sowie die jährlichen Nebenkosten nicht unerheblich sind.

Dem privaten Weininvestment steht er jedoch positiver gegenüber, da er hier durchaus Chancen sieht, durch entsprechende Informationen und Fachkenntnis, Weine mit entsprechenden Renditepotential gezielt ausfindig zu machen.  Die Zeiten der exorbitanten Preissteigerungen sind für ihn jedoch Geschichte, da seiner Meinung nach die Produzenten (insbesondere die der Premier Crus) die Preissteigerungen zu ihren Gunsten nutzen, indem sie ihre en primeur-Spanne ausreizen, die Menge dabei zunächst begrenzen und dann die späteren Tranchen selbst gewinnbringend auf den Markt bringen. Die bestehende Vertriebsstruktur in Bordeaux hat für Michael Unger sowohl Vor- als auch Nachteile. Über kurz oder lang sieht er Bestrebungen der großen und einflussreichen Châteaux, die bestehende Vertriebsschiene zu ändern. Erste Anzeichen dafür wären für den Fachmann bereits jetzt  zu erkennen. 

Bei dem en primeur Geschäft ist jedes Jahr festzustellen, dass die Kunden sich während dieser Phase extrem auf die neuen Weine focussieren und dadurch ältere Weine, die qualitativ mindestens genauso hochwertig sind,  vorübergehend in den Hintergrund gedrängt werden.

Den derzeitigen Nachfrageboom sieht Unger differenziert. So könnte Russland zwar ein potenter, aber auch sehr kleiner Markt sein. Die Nachfrage aus Asien nach einzelnen “in”-Weinen (z.B. Lafite) könnte zudem wechselhaft sein und müßte sich daher  erst als nachhaltig erweisen. Einer der größten Märkte für das Weininvestment- Nordamerika- leidet hingegen unter dem niedrigen Dollar. Zudem werden seines Erachtens nach die Auswirkungen der Subprime-Krise auch den Weinmarkt treffen. Als Beispiel in der Vergangenheit führt er die Asienkrise 1997 an, die die Weinpreise ordentlich unter Druck gebracht hat. Einige Weine haben erst in der letzten Boomphase 2006/2007 die Preise von 1997 erreicht.  Derzeit verzeichnet Unger für den Bereich der sehr hochwertigen Weine (vorerst?) eine Deckelung der Preise. 

Weltweit geht Michael Unger davon aus, dass es mehr Fälschungen von hochwertigen Weinflaschen gibt, als man allgemein annimmt, speziell im Bereich der Großformate. Die enorme Wersteigerung von einigen Weinen würde Betrüger automatisch anziehen. Den eigenen Keller würde Unger aufgrund sorgfältiger Prüfung zu 99,9 Prozent als fälschungsfrei bezeichnen.

Den Weinkritiker Robert Parker sieht er als absolut führend in der Szene an, der eine enorme Wirkung auf den Endkunden ausübt. Gleichzeitig sieht er in Europa jedoch auch Tendenzen, dass die Konsumenten geschmackskritischer werden und die Stilistik der überextrahierten Weine zunehmend ablehnen.

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Nachfrage und kein Ende ?

Schaut man sich die derzeitige Berichterstattung über den Markt für hochwertigen Wein in der internationalen Presse an, so kann man davon ausgehen, dass die Preise keinen großen Rücksetzer zu befürchten haben. Die Nachfrage von Hedgefonds Managern aus London und New York kennt anscheindend immer noch keine Grenzen. Wurden Wein-keller früher innerhalb einiger Jahre Flasche für Flasche aufgebaut, möchten die derzeitigen Käufer ihren Weinkeller von heute auf morgen möglichst hochwertig bestückt haben. Geld spielt dabei keine Rolle. Eine ähnliche Situation findet man in Korea, Japan und insbesondere China vor, wo hochwertiger Wein mittlerweile das Status-Symbol schlechthin ist. Seit Juli soll in London zudem ein neuer Weinfonds aufgelegt worden sein, der die Nachfrage zusätzlich beflügeln dürfte. Über das Volumen habe ich bislang keine genauen Angaben gefunden. Es bleibt sicherlich spannend, diese gesamte Entwicklung genau zu verfolgen……

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Buchbesprechung “Wein und Zeit”

Wein ist eine flüssige Form von Zeit” könnte man als Hauptthese des Buches von Mario Scheuermann ansehen.  Beim Lesen habe ich mir zunächst- genau wie Niko Rechenberg in seinem Blog Nikos Weinwelten-  die Frage gestellt, woher Mario Scheuermann die Zeit nimmt, neben seinem umfassenden Alltagsgeschäft ein solches Buch zu schreiben. Ich habe beim Lesen jede einzelne Zeile (selbst der Anmerkungen) genossen. Hier schreibt ein absoluter Profi, der über ein immenses Fachwissen verfügt und den Lesern in seinem Buch vermittelt. Zum Teil ist es “Weinphilosophie”, die mir persönlich einen neuen Zugang zum Wein ermöglicht. Es hätte dabei keinen besseren Titel für das Buch geben können, denn “Wein und Zeit” bringt den Hauptaspekt auf den Punkt.  Der Leser wird zum Teil auf eine Zeitreise in die Vergangenheit mitgenommen, die einem bewußt macht, was es bedeutet, wenn man einen Wein trinkt, der sich über 100 Jahre und länger entwickeln konnte. Einige Beschreibungen lesen sich dabei wie Weinpoesie. Gleichzeitig geht es in dem Buch um die Zeit, die ein Wein zu seiner Entwicklung benötigt sowie die Zeit, die man für einen kompletten Genuss benötigt. Der potentielle Weininvestor kann dabei  erfahren, welche Faktoren ein Wein aufweisen sollte, um in der Zukunft ein hohes Renditepotential aufzuweisen. In seinem letzten Kapitel geht der Autor auf eine Bewertunsgmethode ein, die sich nicht mehr an einer absoluten Punktzahl, sondern in einzelnen Variablen einer “Formel” (cpv) orientiert. Sicherlich ein interessanter Ansatz, der sich meiner Meinung nach jedoch nicht problemlos als massentauglich erweisen wird. Denn egal wie man über ein solches Punktesystem denkt, es dient dem Weintrinker zunächst als einfache und international anwendbare Möglichkeit, sich etwas leichter in der riesigen Vielfalt des Angebotes zurechtzufinden. Ganz zu schweigen, von der Bedeutung des Parker Bewertungsschemas für den Investmentbereich. Die CPV- Formel könnte jedoch durchaus seine Berechtigung erfahren, indem man das gängige Punkteschema in einer ersten Phase dazu nutzt, den Markt zu sondieren. In einer zweiten Phase legt man dann zwecks einer genaueren Analyse die CPV- Formel zugrunde.

Abgerundet wird der sehr lesenswerte Inhalt durch ein sehr ansprechendes äußeres Erscheinungsbild. Zum Schluß stellt sich mir daher nur noch eine Frage: Hat Mario Scheuermann eine Methode gefunden, wie man täglich mit einer halben Stunde Schlaf auskommt ? Eine Antwort auf diese Frage suche ich in seinem Buch vergeblich.

Autor: Mario Scheuermann, Titel: Wein und Zeit, Verlag: Hampp Verlag, Preis: 17,90 Euro

Liv-Ex Monatsreport Juli 2007

Der Monatsreport der www.liv-ex.com für den Monat Juli ist veröffentlicht worden. Im betrachteten Monat  verzeichnete der Liv-Ex 100 Index einen Anstieg von 1,8 Prozent im Vergleich zm Vormonat. Für das Gesamtjahr kann der Index auf  eine beeindruckende Performance von + 54,8 Prozent verweisen. Bei dem en primeur Handel des Jahrgangs 2006 konnte erwartungsgemäß Mouton Rothschild eine entsprechende Nachfrage verzeichnen. Derzeit liegt die Taxe zwischen 3500 und 4000 GBP. Bei den einzelnen Weinen konnten der 95er La Mission Haut Brion und der 98er Mouton Rothschild im Juli die Spitzenposition einnehmen.  Im Vergleich zum Juni stieg La Mission Haut Brion um 29,9 %, der Mouton Rothschild um 28,4 %.

Zum Schluß gehen die Verfasser auf die zu erwartende weitere Entwicklung des Weinmarktes ein.  Insbesondere die Auswirkungen der Subprime-Krise werden im September von Bedeutung sein. Auch wenn der Weinmarkt nachweislich sehr gering mit den Finanzmärkten korreliert, kann er sich nicht gänzlich  solchen Finanzkrisen entziehen. So wurden auch schon die Bullenmärkte am Weinmarkt in vergangenen Jahren durch große Wirtschaftskrisen beendet. Die Frage wird sein, ob es sich um eine gesunde Korrektur handeln wird oder um einen nachhaltigen Abschwung. Jedoch ist gerade der Weinmarkt insbesondere durch die Nachfrage von sehr finanzkräftigen Privatpersonen geprägt. Deren Anzahl hat in den letzten Jahren weltweit stark zugenommen. Hinzu kommen die neuen Absatzmärkte wie Russland oder Asien. Dies sollten Faktoren sein, die mittelfristig für weiter steigende Preise sprechen.

Warnzeichen vom Kunstmarkt ?

Für viele Experten besteht ein Zusammenhang zwischen dem Kunst- und dem Weinmarkt. Ohne an dieser Stelle auf die interessante Diskussion eingehen zu wollen, ist mir heute ein Artikel in der Financial Times Deutschland aufgefallen. Die Überschrift lautet “Kreditkrise setzt Kunstaktien zu” und es geht u.a. um den Kurseinbruch von Kunstaktien (z.B. dem Auktionshaus Sotheby´s) in den letzten Wochen. Die Anleger haben Angst, dass  viele Investoren und Hedgefondmanager ihre Aktivitäten auf dem Kunstmarkt zurückfahren müssen, da sie in den letzten Wochen erhebliche finanzielle Einbußen zu verzeichnen hatten. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Party in diesem Sektor zunächst einmal beendet ist. Wenn man von einer Beziehung zwischen dem Kunst- und dem Weinmarkt ausgeht, kann  die Frage daher nicht weit sein, wie sich die Situation in naher Zukunft am Weinmarkt gestalten wird…… Den kompletten Artikel findet man hier: http://www.ftd.de/boersen_maerkte/geldanlage/:Portfolio%20Kreditkrise%20Kunstaktien/242901.html

Und einen Artikel zu dem Thema Wein- und Kunstmarkt findet man demnächst bei WeInvestment.

Der Weinmarkt= das unbeugsame gallische Dorf ?

In der Finanzwelt gibt es derzeit nur ein Thema: die Subprime- Krise und deren Auswirkung auf die internationalen Märkte. Dabei wurde den Anlegern sehr anschaulich vor Augen geführt, wie verzahnt die Finanzmärkte mittlerweile sind. Eine Hypothekenkrise in den U.S.A. führt zu weltweiten Kursturbulenzen. Selbst wenn man sein Portfolio auf Basis der Asset-Allocation-Theorie aufgebaut hat, wurde es in Mitleidenschaft gezogen. Der Markt für hochwertigen Wein zeigt sich derzeit jedoch  unbeeindruckt von dieser Situation. Zumindest im Augenblick. Erst im September werden die meisten wichtigen Akteure wieder aktiv am Geschehen teilnehmen. Und die Big Player- große Fonds mit einem Volumen weit über 50 Millionen Dollar, räumen ihren Anlegern quartalsweise ein Kündigungsrecht ein. Die Auszahlung erfolgt dann einige Monate später und in dieser Zeit werden dann diverse Bestände verkauft, um den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Keiner kann beurteilen, ob und in welcher Höhe die Fonds Abflüsse zu verzeichnen haben. Aber selbst wenn Kunden ihr Geld abziehen sollten, steht frisches Geld von neuaufgelegten Fonds zur Verfügung sowie das Weihnachtsgeschäft vor der Tür. Diese Faktoren sollten das unter Umständen auf den Markt kommende Angebot  absorbieren, so dass meiner Meinung nach kein lang andauernder Preisrückgang zu befürchten ist. Kurzfristig könnte der Markt aber durchaus unter Druck geraten, was aber eine gesunde Korrektur darstellen würde.

Interview zum Thema “Weininvestment”

 Ich habe mit dem bekannten Weinjournalisten Mario Scheuermann ein Interview zum Thema “Weininvestment” geführt. Dabei ging es um das Thema allgemein sowie die spezielle Situation in Deutschland. Mario Scheuermann gilt als absoluter Weinexerte und betreibt u.a. die immer wieder lesenswerten weblogs http://bordeaux.blogg.de und http://drinktank.blogg.de .  Dabei denkt er auch immer über den Teller-/Weinglasrand hinaus, wie im Folgenen zu lesen ist:

Wie würden Sie persönlich den Begriff des Weininvestments definieren?

Dafür gibt es keine einheitliche Definition, denn die Möglichkeiten in Wein zu investieren sind vielfältig. Ich kann z.B. ganz einfach Weine kaufen, von denen ich überzeugt bin, dass sie an Wert gewinnen. Dann gibt es verschiedene Fonds-Modelle. Natürlich könnte man auch direkt in ein spezielles Weingut investieren. Und dann gibt es noch die Möglichkeit in grosse Weinunternehmen wie Hawesko oder Pernod-Ricard über die Börse zu investieren. Davon halte ich persönlich am meisten; denn diese Form des Investments ist für den normalen Anleger am leichtesten zu überschauen. Eine österreichische Bank hat dafür eigens ein Zertifikat aufgelegt, dessen Performance recht ordentlich aussieht.

 Was sind die charakteristischen Merkmale des Marktes für hochwertigen Wein?

Geringe verfügbare Menge, limitierte Produktion einerseits und wachsende weltweite Nachfrage andererseits.

 Würden Sie hochwertigen Wein als eigene Anlageklasse ansehen?  

Grundsätzlich: Ja.

Wie schätzen Sie den Markt für das Weininvestment in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum aktuell ein?

Skeptisch bzw. eher schlecht. Wenn die wirtschaftliche Entwicklung hierzulande so weiter geht wie im Augenblick, werden die meisten Konsumenten keine guten Aussichten haben, sich künftig jemals einen richtig grossen Wein leisten zu können.

Was sehen Sie als grundlegende Voraussetzung für eine Verbreiterung der Basis in Deutschland an?

Höhere verfügbare Einkommen der normalen Bürger und deutlich niedrigere Steuern. Weniger staatliches Raubrittertum und mehr Freiheit für den Konsum der Bürger. 

Warum hat das klassische Weininvestment ihrer Meinung nach z.B. in England einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland? 

Weil es dort eine längere Tradition dafür gibt. Weil es dort wirklich funktionierende Fonds gibt. Weil dort nach wie vor die wichtigsten Händler und Auktionshäuser sitzen. Letztendlich werden in England die Preise gemacht.     

Wie ist Ihre Meinung zu dem Vorwurf, dass Spekulanten und Investoren die Preise für hochwertigen Wein so in die Höhe treiben, dass er für den “normalen” Weinfreund nicht mehr zu bezahlen ist?
 
Was heißt da Spekulanten? Das ist eine ganze normale marktwirtschaftliche Entwicklung. In vielen Ländern wächst der Mittelstand, während er bei uns schrumpft. Die anderen werden nicht nur reicher, wir werden auch ärmer. „Geiz ist geil“ konnte doch nur entstehen, weil die Menschen weniger verfügbares Netto-Einkommen haben. Den Menschen blieb doch gar nichts anderes übrig. Die Zeit zwischen den 1970er und 1990er Jahren war deshalb hedonistisch, weil  sich viele Menschen diesen Lebensstil leisten konnten. Heute können dies deutlich weniger  Menschen.  

Nachdem der Weinmarkt insbesondere im letzten Jahr auf eine beeindruckende Performance verweisen kann- wie hoch schätzen sie die Gefahr von rückläufigen Preisen ein?

Ich sehe diese Gefahr im Augenblick noch nicht. Nach wie vor gilt: immer mehr Konsumenten wollen und können Topweine kaufen und die Menge dieser Weine wächst nicht annähernd so schnell wie
die Zahl potenzieller neuer Konsumenten und damit die Nachfrage. 

Welchen Rat würden Sie jemanden geben, der sich intensiver mit dem Thema „Weininvestment“ beschäftigen möchte? 

Trinken, Trinken, Trinken

Und darüber hinaus ? 

Lesen! Z.B. Weblogs wie WeInvestment oder meinen Planet Bordeaux. Und natürlich aufmerksam die Auktionsergebnisse studieren. Und auf gar keinen Fall blind das glauben, was in Tageszeitungen, Magazinen und Börsendiensten steht. Die meisten dieser so genannten Empfehlungen beruhen nach meiner Erfahrung auf vollkommener Markt-unkenntnis oder noch schlimmer: sie werden von “Lobbyisten” geschrieben, weil die Redaktion dann auch noch am Honorar sparen kann. Leider gibt es im deutschsprachigen Raum kaum Analysten für den Weinmarkt wie z.B. einen Arend Heijbroek von der Rabobank in Utrecht. Eine ganz grosse Ausnahme macht da die Neue Zürcher Zeitung. Die lässt solche Artikel u.a. für den Wirtschaftsteil von Philippe Schwander schreiben, der ist nicht nur Master of Wine und Weinhändler mit kolossalem Insider-Wissen, er kann auch schreiben und er gilt in der Branche als absolut integer.    

Unter welchem Zeithorizont sollte man das Weininvestment betreiben?

Das Weininvestment ist grundsätzlich eine langfristige Angelegenheit, da grosse Renditen nur mit grossen Weinen erzielt werden können. Und grosse Weine können nur solche sein, die sehr langsam und lange reifen.Natürlich kann man auch kurz- oder mittelfristig spekulieren. Das sollte man aber wirklich den Profis überlassen; denn das funktioniert nur, wenn man eine sichere Möglichkeit hat die Weine auch zu Marktpreisen zu verkaufen. Also jetzt beispielsweise 1989 Mouton (mit dem Mauerfall-Label von Baselitz) kaufen und auf 2009 und 2014 (20 bzw. 25 Jahre Mauerfall) spekulieren. Da dies nebenbei auch noch ein sehr guter Wein ist, kann das funktionieren.Es gibt nur einige wenige Weine wie Pétrus oder Le Pin, deren Preise sich innerhalb kurzer Zeit (zwei, drei Jahre) vom Primeur-Preis aus gerechnet verdoppeln. Die sind aber schwer zu bekommen. Aber da funktioniert das System: kaufe zwei Kisten, warte bis sich der Preis verdoppelt hat und verkaufe eine davon. In der Regel brauchen grosse Weine aus Bordeaux aber einen Zeithorizont von mindestens acht bis zehn Jahren, besser aber 15 Jahre und mehr um eine Rendite zu bringen, die für Anleger interessant sein könnte. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, muss man aber z.B. Magnums oder Doppelmagnums der Premiers plus Pétrus aus einem sehr guten Jahrgang kaufen und 20, 30 Jahre warten. Wer das beispielsweise 1983 mit dem Jahrgang 1982 getan hat, besitzt heute ein kleines Vermögen. Sein Einsatz hat sich seither je nach Château ca. um das 20 bis 60-fache gesteigert. 1983 kosteten die Premiers und Pétrus als 0,75 l Flasche so um
die 100 Mark bei Hawesko. Heute werden diese Weine nicht mehr unter 1000 Euro gehandelt und der Pétrus dürfte bei 3000 Euro und mehr liegen.   
 
        

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