Rendite des Weininvestments

 Zu dem Thema “Rendite des Weininvestments” findet man immer wieder widersprüchliche Meinungen. Die einen verweisen auf die enormen Steigerungen von einzelnen Weinen, die anderen führen Renditen an, die selbst in Niedrigzinsphasen von jedem Geldmarktfonds geschlagen werden. Da die Rendite des Weininvestments von mehreren unterschiedlichen Einflussfaktoren abhängig ist, kann die Frage- meiner Meinung nach- nicht pauschal beantwortet werden. Vielmehr ist es ein sehr komplexes Thema, was an dieser Stelle  kurz skizziert werden soll.

Zunächst einmal sollte man sich als Anleger nicht von einzelnen Highflyern mit astronomischen Wertentwicklungen blenden lassen. Diese bilden die Ausnahme, werden aber natürlich gerne als Aushängeschilder benutzt. Es gibt mehrere umfassende Studien (z.B. Krasker 1979, Weil 1993,  Burton und Jacobsen 2001) , die die Renditeentwicklung von hochwertigen Weinen (und nur um diese geht es hier) untersuchen und ins Verhältnis zu den Renditen setzen, die man im selben Zeitraum mit einer Anlage im Aktien- und/oder Anleihenbereich hätte erzielen können. Die Autoren kommen dabei auf unterschiedliche Ergebnisse. Krasker sieht das Weininvestment nach Abzug aller Kosten sogar als unrentabel an, Weil sowie Burton und Jacobsen errechnen  eine jährliche Rendite von ca. 8 Prozent, was jedoch im  betrachteten Zeitraum unter der Rendite von den amerikanischen Aktienindizes lag. Es gibt aber auch andere Studien, die im jeweils gewählten Zeitraum  zu einer Outperformance des Weininvestments gegenüber den Vergleichsmärkten gelangen.  Die unterschiedlichen Ergebnisse von den Studien  in der Vergangenheit  beruhen auf diversen Einflussfaktoren. Im Einzelnen sind dies:

- Betrachtungszeitraum und dessen Länge

- Anzahl und Qualität der Weine sowie die Kriterien, nach denen diese ausgewählt wurden (kein einheitlicher “Weinbasket”)

- die kalkulierten Lager- und Versicherungskosten

- die kalkulierten An- und Verkaufskosten

Diese einzelnen Punkte verdeutlichen, wie schwierig es in der Vergangenheit war, die Renditen des Weininvestments zu ermitteln bzw. die Studien miteinander zu vergleichen.  Eine der neuesten und umfangreichsten Untersuchungen zu diesem Thema stellt der Autor Mahesh Kumar in seinem sehr empfehlenswerten Buch”Wine Investment for Portfolio Diversification” vor. Er bildete für den Zeitraum von 1983 -2003 einen “Fine Wine Index” und kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Index eine bessere Rendite (12,3% pro Jahr) als der Dow Jones und der Rentenmarkt erzielte. Gleichzeitig hebt er hervor, dass die höhere Rendite nicht gleichzeitig ein höheres Risiko bedeutet, was für das ausgesprochen gute Chance/ Risiko Verhältnis des Weininvestments spricht. Zudem weist der Markt für hochwertigen Wein eine geringe Korrelation zu den anderen Märkten auf.  

Durch die zunehmende Strukturierung und Professionalisierung (insbesondere ist hier die Weinbörse www.liv-ex.com mit den entsprechenden Indizes anzuführen) des Marktes für das Weininvestment, ist es meiner Meinung nach nun bedeutend besser möglich, entsprechende Studien auf soliden Daten aufzubauen, auch wenn es z.B. bei den Ein- und Verkaufskosten immer noch zu unterschiedlichen Ansätzen kommen kann. Zudem hängt das Renditepotential erheblich von den ausgewählten Weinen und den entsprechenden Auswahlkriterien ab.

All diese Ausführungen zeigen jedoch, dass man eigentlich nur einen groben Renditekorridor (denkbar 7,5- 12 Prozent pro Jahr)  für das Weininvestment ansetzen sollte. Gleichzeitig sollte die absolute Rendite aber auch nicht das einzige Beurteilungskriterium sein, sondern das Augenmerk zusätzlich auf das positive Chance/ Risiko- Verhältnis und die geringe Korrelation zu anderen Märkten gerichtet werden. Dies ermöglicht es letztendlich, das professionelle Weininvestment sinnvoll in das eigene Portfolio einzubauen. 

Persönlicher Nachsatz: Sollte jemand ernsthaftes Interesse daran haben, eine Studie zu diesem Thema zu erstellen, würde ich jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Dabei sind sicherlich verschiedene thematische Ansätze denkbar.

 

“Renditeturbo” Update

Mein Artikel mit dem Thema “Renditeturbo aus Rheinland- Pfalz” hatte zum Ziel, das Fondskonzept der “wine capital selection GmbH”  auf Basis der im Internet zur Verfügung gestellten Informationen, möglichst objektiv zu beurteilen. Natürlich habe ich die weitere Berichterstattung in der Blogszene aufmerksam verfolgt, insbesondere die vom http://drinktank.blogg.de, wo die journalistische “Spürnase” von Mario Scheuermann die Witterung aufgenommen hat.  Fakt ist, dass seine Recherchen zweifellos viele offene Fragen und Ungereimtheiten aufgeworfen haben, die zum Nachdenken anregen sollten.  Ohne jetzt bis ins Detail auf die einzelnen Punkte einzugehen, möchte ich noch Folgendes anmerken:

Grundsätzlich ist es schwierig, Geld für einen neuen Fonds zu aquirieren, da Investoren bei ihrer Anlageentscheidung gerne die historische Performance berücksichtigen. Noch schwieriger wird es, wenn dabei zusätzlich ein neues Thema aufgegriffen wird, in diesem speziellen Fall “Weinfonds mit Weinen aus Rheinland-Pfalz”. Um Anleger zu überzeugen sollte man daher versuchen, anhand aufbereiteter Daten, die entsprechend analysiert und für Investorenbedürfnisse aufbereitet sind, eine realistische Renditeerwartung zu erstellen. Speziell wenn eine Rendite von 50- 80 Prozent innerhalb von 4,5 Jahren in Aussicht gestellt wird, würde ich solch eine Analyse als absolut notwendig ansehen. Im Internet wird die Renditeerwartung  des Fonds “Zum Wohle 2006″ damit begründet, dass die Weine zum einen “en primeur” erworben werden und zum anderen “hält es der Weinfonds durch die Mitwirkung der Beiratsmitglieder, die sich seit Jahren mit Weinprodukten professionell beschäftigen, für wahrscheinlich, dass die angegebene Wertsteigerungsprognose angemessen erscheint.” Diese allgemeine Begründung an sich ist für einen Fonds schon als nicht akzeptabel anzusehen und entbehrt jeglicher  Grundlage. Wenn dann aber auch noch zum krönenden Höhepunkt genau dieses Gremium, auf dem die komplette Renditeerwartung gefußt ist, in der Form gar nicht existiert bzw.  in der Konstellation die Weine ausgesucht hat, frage ich mich, wie dies von der Fondsseite den Anlegern begründet wird. Schließlich geht es dabei um deren Geldanlage, denn wenn man mit diesen Renditen wirbt, muss man davon ausgehen, dass letztere- und nicht die effektive Auslieferung des Weines am Ende-  bei den Anlegern im Vordergrund steht.

Eine Anmerkung zum Schluß: Persönlich halte ich es jedes Jahr für wahrscheinlich, dass Borussia Dortmund durch die Mitwirkung seiner Spieler, die sich seit Jahren mit Fussball professionell beschäftigen, Deutscher Meister wird…………

Renditeturbo aus Rheinland- Pfalz ?!?!?!?!

Mit  großen Interesse verfolge ich die Weininvestmentszene in Deutschland. Dabei bin ich auf den Weinfonds der “wine capital selection GmbH”  gestoßen, der den Anlegern  auf Sicht von 4,5 Jahren eine  Rendite zwischen 50 und 80 Prozent in Aussicht stellt. Um dies zu ereichen, investiert der Fonds dabei einzig und allein in Weine aus dem Anbaugebiet Rheinland- Pfalz.  Da ich mir persönlich solch eine Rendite natürlich ungern entgehen lassen würde, habe ich mir den Fonds anhand der Informationen im Internet (www.winecapital.de)  mal etwas genauer angeschaut.  Einen Prospekt konnte ich mir auf der Homepage nicht runterladen und ich habe auch keine Bestellfunktion gefunden. Bei der Beurteilung habe ich zum einen allgemeine Kriterien für das Weininvestment angelegt und zum anderen überprüft, ob ich mich persönlich an so einem Fonds beteiligen würde.

1) Investmentansatz:  Grundsätzlich eignet sich zum Weininvestment nur ein verschwindend kleiner prozentualer Anteil der weltweiten Weinproduktion. Insbesondere hochwertige Weine aus Bordeaux können dabei auf eine lange und nachweisbare Performance zurückblicken. Zudem gibt es für diese Weine einen funktionierenden Sekundärmarkt, was für die ständige  Wertermittlung und den späteren Verkauf von großer Wichtigkeit ist. Bei dem Fonds der wine capital selection GmbH wird zum größten Teil  “en primeur”  in Weine des Jahrgangs 2005 aus der Region Rheinland-Pfalz investiert. Obwohl dies sicherlich auch in Deutschland ein sehr guter Jahrgang war, gibt es für diese Weine keinen funktionierenden Sekundärmarkt sowie allgemein keine Analysen von historischen Daten, die das Renditepotential deutscher Weine untersuchen oder beweisen . Das Grundprinzip des Weininvestments- begrenztes und stetig abnehmendes  Angebot trifft auf steigende Nachfrage- ist auf deutsche Weine nicht anwendbar. Somit ist dieser Investmentansatz für mich nicht nachvollziehbar.

2) Einkauf/ Verkauf: Ein Pluspunkt des Fonds besteht darin, dass die Weine direkt vom Erzeuger erworben werden und somit die komplette Marge für den Zwischenhandel entfällt. Die Weine werden zuvor von einem fachkundigen Verkoster-Team  anhand bestimmter Kriterien ausgewählt.  Es ist nicht ersichtlich, ob die Winzer den Fonds exklusiv beliefern. Die Weine werden bis zum Ende der Laufzeit bei den Winzern eingelagert und versichert. Dabei stellt sich mir die Frage, ob gleichzeitig auch sichergestellt ist, dass die Weine, im Falle eines Konkurses des Winzers, nicht zum Konkursvermögen gezählt werden.  Zudem ist mir nicht ersichtlich, ob ein unabhängiger Dritter den ordnungsgemäßen Erwerb, die Einlagerung und den Verbleib des Weines über die Laufzeit  überprüft sowie das Fondsmanagement kontrolliert.

Wie der spätere Verkauf erfolgen soll, ist mir schleierhaft. Gibt es bereits Handelspartner, die den Wein zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis abnehmen ? Ein Sekundärmarkt ist für diese Weine nicht vorhanden, somit könnte sich der Verkauf mehr als schwierig und nur mit prozentualen Abschlägen realisieren lassen. Genauere Angaben finden sich zu diesem wichtigen Punkt nicht. Für die (spätere) Bewertung des Fondsvermögens fehlt mir eine Angabe, anhand welcher Kriterien die Marktpreise ermittelt werden ? Was gilt als objektive Referenz und wie kann ich dies als Anleger nachvollziehen ?

3) Gebührenstruktur: Insgesamt peilt der Fonds ein Volumen von 2,5 Mio. Euro an. Die Mindestanlagesumme beträgt 5000 Euro oder ein vielfaches davon. Auf diese Summe wird ein Agio für den Vertrieb in Höhe von 5 Prozent fällig, was zumindest im Rahmen (2,5-5%)des Üblichen liegt. Die Anlagesumme wird aber nicht komplett in Wein investiert, sondern die entsprechenden Gebühren für Lagerung und Versicherung über die Gesamtlaufzeit sowie die Kosten für die Konzeption durch die “wine capital selection GmbH”  vorab abgezogen. Nur auf diesen verbliebenen Betrag berechnet sich dann später auch die Rendite. Immerhin ist dies eine Reduzierung von fast 10 Prozent auf die Anlagesumme + die 5 Prozent Agio. Dies sollte man als Investor im Hinterkopf haben. Zudem fallen bei einem späteren Verkauf über die wine capital selection GmbH ebenfalls Gebühren/ Kosten an, die von der Initiatorin mit mindestens 15 Prozent auf den Netto-Verkaufspreis veranschlagt werden. 

4) Struktur:  Als Anleger tritt man einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts bei. Die Haftung wird dabei mittels Haftungsbeschränkung auf die Einlage jedes einzelnen Gesellschafters  begrenzt, was ein wichtiger Punkt ist, um die private Inanspruchnahme der Anleger auszuschließen. Die steuerlichen Grundlagen für das Konstrukt “Einkaufs-GbR” sind meines Wissens zumindest umstritten. Allerdings kenne ich mich diesbezüglich zu wenig aus, um eine Einschätzung abzugeben. Üblich ist, dass solch ein Fonds ab einem bestimmten- vorher festgelegten Zeitpunkt- geschlossen wird. Einen Hinweis auf solch einen Termin habe ich nirgends gefunden. Letztlich stellt sich der Fonds für mich wie eine Mischung aus offenen und geschlossenen Fonds dar, da die Initiatorin anscheinend selbst noch nicht weiß, worauf es hinausläuft.

5) Renditeaussicht: Das angestrebte Renditeziel zum Laufzeitende am 31.12.2010 wird mit einer Spanne zwischen 50-80 Prozent auf die Nettoinvestition angegeben. Die Frage ist dabei, wie realistisch diese Zielsetzung ist. Es gibt keine Erfahrungsswerte, auf die man hierbei zurückgreifen könnte und der Fonds ist der erste seiner Art.  Zudem fehlt auf den Seiten der “wine capital selection GmbH” jegliches Zahlenmaterial, wie sich vergleichbare Weine in der Vergangenheit entwickelt haben. Deutsche Weine weisen nur ein geringes Renditepotential auf und nur ganz, ganz wenige kommen überhaupt als Investment in Frage. Insofern erscheinen die veranschlagten Renditeziele sehr ambitioniert. Durch den Wegfall des Zwischenhandels ist sicherlich eine gewisse Marge zu erzielen, aber ob diese 50 Prozent oder mehr beträgt, darf und muss ernsthaft bezweifelt werden. Ohne die Qualität des deutschen Weins ansatzweise in Zweifel zu ziehen- zum klassischen Weininvestment eignet er sich nicht. Und noch ein Punkt ist zu berücksichtigen: Die Rendite bezieht sich zum einen auf die Nettoinvestition (s.o.) und wird zum anderen beim Verkauf durch weitere Kosten/ Gebühren geschmälert. Die effektive Nettorendite wird somit beträchtlich niedriger ausfallen, selbst wenn die Zielrendite erreicht wird. Was passiert, wenn letzter Fall nicht eintreten sollte und/oder die steuerlichen Grundlagen vom Gesetzgeber anders eingeschätzt werden, kann sich jeder selbst ausmalen.

6) Fazit: Einen deutschen Weinfonds aufzulegen, der eine Rendite zwischen 50-80 Prozent auf Sicht von 4,5 Jahren verspricht, halte ich persönlich für sehr mutig und gewagt.  Deutscher Wein ist als Investmentobjekt nicht geeignet, genau wie es selbst in Bordeaux sehr viele Weine gibt, die sich einzig und allein zum trinken- aber nicht zum investieren- eignen. Die erworbenen Weine werden sicherlich eine gute Qualität aufweisen, aber sie besitzen kein Merkmal, was sie ansatzweise als Investmentwein auszeichnen würde. 

Neben dem fehlenden Renditepotential sehe ich zudem die Fondsstruktur und den fehlenden Sekundärmarkt als Manko an, wobei sich die Informationen vom Fondsanbieter zu diesen  Punkten sehr in Grenzen halten. Sollte es bereits bestehende Vereinbarungen mit Abnehmern geben, die die angekündigte Rendite realistischer erscheinen lassen, sollte das  erwähnt werden. Wenn solche Vereinbarungen zu diesen Konditionen bestehen, würde aber auch jede Bank diesen Deal anstandslos finanzieren,  die Rendite für die Gesellschaft würde ebenfalls entsprechend ausfallen und der Fonds wäre eigentlich überflüssig.

Ich finde es bedenklich, wenn so ein Fonds in der Berichterstattung der Medien in einem Atemzug mit klassischen Weinfonds erwähnt wird, da man unter dem klassischen Weininvestment etwas anderes versteht.

Letztlich kann sich der Fonds nur für Leute eignen, die gerne Wein aus der Region “Rheinland Pfalz” trinken und aus welchen Gründen auch immer bei ihrem Weinhändler oder im Supermarkt nicht fündig werden. Diese Fondszeichner können sich ihre “Anlage” am Ende effektiv ausliefern lassen. Ernsthafte Investoren laufen Gefahr, am Ende bitter enttäuscht zu werden oder bis an ihr Lebensende edle Tropfen aus Rheinland-Pfalz zu konsumieren.

Wer ernsthaft sein Portfolio diversifizieren möchte oder eine alternative Anlage im Weinbereich sucht, sollte auf andere Weinfonds ausweichen.

Die “neuen” Weinfonds- Schöne Grüße vom Neuen Markt ?

Nachdem die internationale Finanzwelt auch die nachweisbaren Vorzüge des Weininvestments kennen- und schätzen gelernt hat, sind in der letzten Zeit Weinfonds mit zum Teil beachtlichen Volumen entstanden. So peilt alleine der Londoner “Fine Wine Fund” die 100 Millionen Dollar Marke an, wobei die Adressaten  vermögende Privat- und institutionelle Kunden sind. Weitere Fonds sind in Planung bzw. bereits kurz vor der Platzierung. Die Fonds “neuerer Art” weisen dabei einige Besonderheiten zu den herkömmlichen (älteren) Weinfonds auf. So haben sie keine festgelegte Laufzeit und es ist nicht vorgesehen, die Weine den Anteilseignern effektiv anzudienen bzw. auszuliefern. Vielmehr können die Fondsanteile zu bestimmten jährlichen Stichtagen an den Fondsinitiator verkauft werden.

Die derzeit bestehenden Fonds sind noch nicht sehr lange am Markt, konnten aber durch die Megahausse am Weinmarkt sehr gute  Renditen erzielen. Beim “Fine Wine Fund” beträgt diese seit Laufbeginn im September 2006 stattliche 40 Prozent. Den Fondsmanagern steht davon eine 15-prozentige Performancefee und eine jährliche zweiprozentige Managementgebühr zu, was nichts Unübliches ist. So weit, so gut. Ein entsprechend großes Fondsvolumen ist auf der einen Seite nötig, um die Kosten für die Lagerung/Versicherung und die Gehälter für die Fondmanager zu erwirtschaften. Auf der anderen Seite muss die große Summe aber auch in entsprechende Weine angelegt werden. Und dies nicht nur von einem Fonds, sondern von mehreren.  Da sich im Markt für hochwertigen Wein mittlerweile viele Parallelen zum Aktienmarkt finden lassen, kann dies meines Erachtens durchaus zu einer Situation führen, wie wir sie damals bei vielen Aktien im “Neuen Markt” beobachten konnten. Punkt 1):  Ein relativ begrenztes Angebot an hochwertigen Wein und ein angesagter Markt mit entsprechend steigender Nachfrage von Anlegern. Die relative Marktenge des Weinmarktes und die Kundengelder der Fonds führen dazu, dass die Preise- getrieben von der ständig wachsenden Nachfrage- kontinuierlich nach oben gehen. Dabei wird die Nachfrageseite noch gestärkt durch den internationalen Wirtschaftsaufschwung. 2) Ein geändertes Marktumfeld und Gewinnmitnahmen führen zu entsprechenden Mittalabflüssen bei den Weinfonds, die Teile ihrer Bestände verkaufen müssen, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. 3) Der verstärkte Abgabedruck der Fonds trifft auf eine merkliche ausgedünnte Nachfrage, da  für letztere insbesondere die Fonds selbst zuständig waren. 4) In dieser Phase kommen andere Investoren dazu, die ab einem bestimmten Level ihre aufgelaufenen Gewinne sichern -oder die Weine später günstiger zurückkaufen möchten-und ebenfalls verkaufen, was die Abwärtsspirale beschleunigt.

Diese Situation würde sich dem internationalen Weinmarkt in der Form das erste Mal stellen und man kann  gespannt darauf sein, wie die Reaktion ausfallen wird. Solange Fonds mit frischen Geld auf den Markt kommen und damit weiterhin für (entsprechend große) Nachfrage sorgen, kann der Markt diese Situation entschärfen. Sollte diese Quelle aber mal versiegen, wird dies sicherlich schon anders aussehen. Wobei dieses Risiko auch als Chance anzusehen ist, um auf längerfristige Sicht das ein oder andere “Schnäppchen”  zu machen.

Die Zukunft wird zeigen, wie sich der Markt entwickeln wird, wobei es in keiner Weise meine Absicht ist, ein Crashszenario heraufzubeschwören. Aber vielleicht ist es ein Risiko, was man als Anleger bei seinem Weininvestment im Hinterkopf haben sollte. Denn auch der Weinmarkt wird sicherlich nicht nur die Richtung nach oben kennen…….

Bordeaux 2006 besser als gedacht ?

Auf www.decanter.com kann man derzeit eine interessante Meldung bezüglich der Einschätzung des 2006er Bordeaux- Jahrgangs lesen. So empfiehlt die französische Zeitung “Le Figaro” ihren Lesern, den Bordeaux 2006 – auch unter Investmentaspekten-  zum Kauf. Verglichen wird der aktuelle Jahrgang mit dem aus dem Jahre 1982. Allerdings wird dem 2006er Jahrgang aufgrund von besser entwickelten Produktionsbedingungen eine noch bessere Qualität zugesprochen. Für viele Weinkritiker kommt diese Sichtweise sicherlich etwas überraschend. Gleichzeitig wird in dem Artikel aber auch angemerkt, dass “Le Figaro” vor einem Monat eine Kooperation mit dem Weinhändler 1855.com eingegangen ist……… Ein Schelm, wer Böses dabei denkt !Den kompletten Artikel kann man auf www.decanter.com nachlesen.

Weininvestment in Deutschland ?

Je länger ich mich nun mit dem Thema Weininvestment beschäftige, umso mehr wundere ich mich über die “Weininvestmentszene” in Deutschland. Schaut man einmal  nach England, so sind hier- sicherlich auch historisch bedingt- sehr professionelle Strukturen vorzufinden, an deren Spitze meines Erachtens die Weinbörse “liv-ex.com” steht. (Wobei ich in dieser Hinsicht sicherlich vorbelastet bin) Zudem gibt es einige wirklich interessante Studien und Bücher über den Bereich “Weininvestment”. In Deutschland finde ich nichts Vergleichbares. Sicherlich ist der Markt für hochwertigen Wein in Deutschland zu wenig entwickelt, so daß sich definitiv keine Weinbörse lohnen würde. Aber auch sonst finde ich diesen Bereich in Deutschland sehr stiefmütterlich behandelt.  Bei den diversen Weinhändlern sehe ich im großen und ganzen auch wenig, was speziell auf diese Zielgruppe abzielt. Das meiste beschränkt sich auf die Präsentation der en primeur Kampagnen des jeweiligen Jahrgangs. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber es würde mich sehr interessieren, wie andere darüber denken………

Ausblick auf 2007

Derzeit spricht einiges dafür, dass der Jahrgang 2007 von den Witterungsverhältnissen mindestens ähnlich problematisch wie der 2006er Jahrgang wird. Eine interessante Kurzeinschätzung sowie einen Ausblick findet man heute auf http://bordeaux.blogg.de . 

Diskussionsstoff

Vor einigen Wochen war ich zum Essen bei Bekannten eingeladen. Es war eine lustige Runde mit sehr guten Essen und noch besseren Wein. Im Laufe des Abends wurde dann auch über Wein “philosophiert” und ich bekannte mich offen zu meinem Hobby Weininvestment. Dem Gastgeber gab ich damit eine willkommene Vorlage und ich mußte mir anhören, dass u.a. so Leute wie ich Schuld daran wären, dass wir heute Abend auf die ganz edlen Tropfen verzichten müßten, da die Preise durch Spekulanten in die Höhe getrieben und einfach nicht mehr zu bezahlen wären. Diese Diskussion kann man regelmäßig auch in einschlägigen Foren verfolgen und daher ist es vielleicht nützlich, wenn ich als  absoluter “Minispekulant” mal versuche, meine persönliche Meinung zu erläutern:

Zunächst einmal kann ich viele Weinfreunde grundsätzlich verstehen, die argumentieren, dass  die Spekulanten und Investoren die Preise für die blue-chips der Weinwelt in unerschwingliche Höhen treiben und Wein letztendlich doch ein Genussmittel darstellt. Allerdings ist dies in meinen Augen ein zu pauschales Urteil.

Persönlich würde ich auch gerne eine Nobelautomarke fahren und eine Nobeluhrenmarke tragen. Ich kann es mir aber leider nicht leisten und muss auf mich auf dem Markt nach Alternativen umschauen, die zweifelsohne auch vorhanden sind. Und genau diese Konstellation kann man auch auf den Weinmarkt übertragen. Hochwertiger Wein ist heutzutage meiner Meinung nach dreierlei: ein Luxusgenussmittel sowie ein Prestige- und Renditeobjekt. Man kann diese drei Punkte nicht mehr isoliert betrachten, sondern muss sie in diesem Kontext sehen, da dies die maßgebliche Preisbildungsfaktoren sind.  Selbstverständlich wird der Weinmarkt immer noch von Angebot und Nachfrage geprägt.  Aber die Käufer sehen Wein eben nicht nur als reines Genussmittel an, sondern oftmals auch als Statussymbol. Selbst Leute, die sich nicht für Wein interessieren, assozieren mit z.B. mit dem Begriff “Mouton Rothschild” einen teuren Wein. Und für die potentiell gut betuchten Käufer ist der Preis des Weines völlig uninteressant (weil unerheblich), sie wollen ihn nur besitzen und/oder in Gesellschaft ausschenken lassen. Und hier kommt ein Faktor ins Spiel, der den Spekulanten von diesen Käufern unterscheidet, denn für den Spekulanten ist der Preis durchaus von großer Relevanz. Letzere kaufen eben nicht auf Teufel komm raus, sondern nach eingehender Analyse und auf einem für sie akzeptablen Preisniveau.

Bordeaux 2006 unter Renditegesichtspunkten/ Teil 1

Nachdem nun fast alle Preise für den 2006er Bordeaux- Jahrgang veröffentlicht sind, möchte ich mich an dieser Stelle mit der Frage beschäftigen, wie sich der Jahrgang aus Investitionssicht darstellt. Aufgrund von diversen Faktoren sicherlich keine einfache Frage. Daher möchte ich versuchen, die Frage so systematisch wie möglich anzugehen.

1) Ausgangssituation: Fakt ist zunächst, dass die klimatischen Bedingungen im Jahr 2006 nicht ideal waren, was zur Folge hat, dass nur finanzkräftige Châteaux, die mit entsprechenden Produktionsmitteln ausgestattet sind, die Möglichkeit hatten, ein hohes Qualitätsniveau zu erzielen. Dies führt im Bordeaux zu relativ großen Qualitätsunterschieden innerhalb des Jahrgangs.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Jahrgang 2005 extrem gut war und den Châteaux in Bordeaux ein sehr hohes Preisniveau ermöglichte, von denen sie sich nun ungern verabschieden wollten. Zudem besteht von Kunden aus Fernost und Russland durchaus auch zu “überhöhten Preisen” Nachfrage, da diese hoffen, dadurch ihre Zuteilungsrate in zukünftigen Spitzenjahrgängen zu erhöhen.  Einige Châteaux sind dieser kurzfristigen Sichtweise leider erlegen, was verständlicherweise zu Unmut bei der (insbesondere) englischen Stammkundschaft geführt hat.

2) Die Kritiker: Auch die Kritiker waren sich bei der Beurteilung des Jahrgangs nicht einig. Für viele überraschend kam die Einschätzung des “Weinkritikerpapstes” Robert Parker, dass der 2006er Jahrgang seiner Meinung nach besser als erwartet ausgefallen sei. Viele Händler, Jounalisten und Weinkritiker teilen diese Sichtweise in der Breite nicht. Konsens in der Beurteilung der einzelnen Anbauregionen besteht bei fast allen Kritikern darin, dass die Weine des Jahrgangs 2006 aus St. Emilion als eher enttäuschend anzusehen sind, während Pomerol erstklassige Weine hervorgebracht hat.

3) Aktuelle Situation: Viele Weine, die sich in der Vergangenheit als Investitionsobjekte geeignet haben, sind bei ihrer Preisgestaltung ex Château nicht zimperlich gewesen und haben oftmals ihren Preisspielraum (mit der Messlatte des Jahrgangs 2005) ausgereizt. Einen guten Überblick zu den aktuellen Preisen ex Château sowie deren Verhältnis zu zurückliegenden Jahrgängen findet man unter http://bordeaux.blogg.de . Vermeintliche Schnäppchen in der ersten Reihe sind kaum vorhanden, die Weine finden aber trotzdem ihre Abnehmer. Mouton- Rothschild konnte nach mehreren enttäuschenden Jahren mal wieder positiv überraschen und hat als einziger der Prèmiers Crus von Robert Parker die potentielle 100 Punkte (96-100) Marke erreicht. Dies führte im Markt auch zu steigenden Mouton- Preisen in zurückliegenden Spitzenjahrgängen (insbesondere 1982), da hier zu vergleichbaren Referenzweinen noch Aufholpotential bestand.

 Eine positive Überraschung stellte der von vielen Kritikern sehr hoch gelobte Léoville Las Cases dar, der völlig gegen den Trend mit einem Abschlag von 30 Prozent auf den 2005er Jahrgang herauskam. Als sogenannter Super Second auf jeden Fall ein Wein, den man auf seine persönliche Watchliste setzen und die Preisentwicklung sehr genau beobachten sollte.

Fazit: Der 2006er Jahrgang ist definitiv kein Jahrgang, der sich problemlos zum Investieren eignet. Die Preisspanne bei den Top- Weinen ist bei den meisten bereits bei der en primeur Kampagne ausgereizt, so dass keine großen Bewegungen nach oben zu befürchten sind. Wenn man mit dem Gedanken spielt, ein Teil seines (Spiel-) Geldes in den Jahrgang zu investieren, sollte man wahrscheinlich bis zur Flaschenabfüllung und damit einhergehenden Neubewertungen von Kritikern abwarten. 

In der zweiten und dritten Reihe ist zudem äußerst selektives Stockpicking angesagt, um einen Wein mit einem ansprechenden Chance/ Risiko- Verhältnis zu finden.