20.08.08, von weinvestor, Keine Kommentare
Nationale Weinfondsszene
Wie bereits hier im Blog schon öfters erwähnt, gibt es diverse Anbieter von Weinfonds- insbesondere wenn man über die nationalen Grenzen hinausschaut. In Deutschland dünnt sich das Angebot hingegen zunehmend aus, nachdem Blue Capital und der Weinhändler Jan Paulson keine neuen Weinfonds mehr auflegen. Über die Gründe kann gemutmaßt werden, jedoch würde das Angebot sicherlich weiter geführt, wenn eine entsprechende (große) Nachfrage vorhanden wäre. Allerdings finde ich, dass das Weininvestment insbesondere in Deutschland keinen leichten Stand hat, da es in der Finanzszene eher belächelt und in der Weinszene gerne verschwiegen wird.
Internationale Weinfondsszene
International erfreut sich das Weininvestment dagegen zunehmender Beliebtheit bei privaten und institutionellen Kunden, die die Anlageklasse Wein einzuschätzen wissen. Persönlich stellt sich mir die Frage, warum es so eine Diskrepanz in dem Anlegerverhalten gibt. Sicherlich ist das Wissen über das Weininvestment z.B. in England – historisch bedingt- bedeutend weiter verbreitet. Potentielle Investoren haben dadurch weniger Skepsis der Thematik und der Anlage gegenüber. Dies ist zweifelsohne ein wichtiger Grund.
Frage der Strukturierung
Ein weiterer Punkt könnte in der Struktur der Fonds liegen:
Die Weinfonds “neuer Art”, die in den letzten Jahren aufgelegt wurden, haben für Anleger den Vorteil, dass die Laufzeit nicht begrenzt ist und der Verkauf der Anteile innerhalb einer bestimmten Frist möglich ist und nicht nur zum Laufzeitende. Dies ist insbesondere für institutionelle Anleger von Bedeutung. Zudem wird von den Fondsbetreibern die monatliche Rendite ausgewiesen und Informationen zum Marktgeschehen/ zu den Aktivitäten des Fonds gegeben. Dadurch wird eine gewisse Transparenz gegenüber den Kunden gewährleistet. Dies ist ein großer Unterschied zu den in Deutschland aufgelegten Fonds, wo die Informationen (in jeder Hinsicht) nur sehr spärlich geflossen sind.
Wein oder Geld?
Bei den Fonds der neueren Art ist keine effektive Auslieferung der Weine vorgesehen. Dies kann man aus institutioneller Hinsicht als Vorteil, aus privater Anlegersicht aber auch als Nachteil ansehen. Als Privatanleger hätte ich im “worse case Szenario” gerne zumindest die erworbenen Weinflaschen, um mich entweder sinnlos zu betrinken
oder auf die Zeitschiene und höhere Preise zu spekulieren. Bei Blue Capital hat der Anleger am Ende der Laufzeit eine Wahlmöglichkeit. Bei einer gewünschten Auslieferung erhält der Anteilseigner meines Wissens nach einen “repräsentativen Querschnitt” der erworbenen Weine. In gewisser Form erhält man also die Katze im Sack und unter Umständen Flaschen, die später (sofern überhaupt gewünscht) nicht leicht oder nur mit großen Preisabschlägen zu verkaufen sind. Bei Paulson ist/ war die Auslieferung nicht vorgesehen.
Institutionelle Anleger werden den Vorteil schätzen, dass sie sich später nicht um den Verkauf der Flaschen kümmern müssen. Dies würde sie sicherlich von einem Investment abschrecken.
Volumen der Weinfonds
Das Volumen der bisher in Deutschland aufgelegten Weinfonds ist für Banken nicht interessant, da zu gering. Die Kosten für Beratung, Einkauf, Lagerung, Verwaltung und Verkauf sind nicht niedrig und man sollte idealerweise auf eine entsprechende Infrastruktur zurückgreifen können. Aber gerade Banken könnten das Thema für mehr Anleger in den Blickpunkt rücken und die notwendige Vertrauensbasis schaffen. Zudem können sich für Banken durch das Weininvestment auch interessante Cross-Selling Möglichkeiten ergeben.
Die “neuen” Weinfonds sind hier bedeutend besser aufgestellt- und dies ohne Bankenunterstützung. Zum einen beträgt das verwaltete Volumen teilweise über 50 Mio. Dollar, gehandelt wird ein Großteil über die Weinbörse Liv-Ex, eingelagert werden die Flaschen “in bond” in spezialisierten Lagerhäusern und der Verkauf erfolgt zum Teil über die Börse, zum anderen Teil über angeschlossene Weinhandelshäuser. Wobei das verwaltete Volumen sicherlich auch eine Bürde darstellen kann, da die Summe angelegt werden muss. Zudem kann der Abbau von größeren Positionen die Preise von einzelnen Weinen gehörig unter Druck geraten lassen. Zu diesem Punkt habe ich bereits an anderer Stelle in diesem Blog Stellung genommen. Zudem ist ein Problem des Marktes für hochwertigen Wein sicherlich die Liquidität.
Die Gebühren bei den Fonds sind allgemein nicht niedrig, wobei man aber auch die Nebenkosten sehen muss, die mit der Lagerung und Versicherung der Weine verbunden sind. Das eine Erfolgsprovision erhoben wird, finde ich legitim, solange gewisse Kriterien eingehalten werden. Allerdings sollte sich jeder Anleger die Kostenstruktur eines Fonds im Vorfeld genau anschauen und ausrechnen, was am Ende von der avisierten Zielrendite übrig bleiben würde.
Innovative Ideen gefragt
Persönlich bin ich fest davon überzeugt, dass das Weininvestment bedeutend mehr Möglichkeiten bietet, als bislang existieren und ich bin sehr gespannt, wie sich das Angebot in der Zukunft entwickeln wird. Um den Markt für mehr Anleger zu öffnen, sind innovative Lösungen gefragt. Absolute Priorität müssen dabei der Seriosität, Sicherheit, Handelbarkeit und Transparenz eingeräumt werden. Nur so kann man das Vertrauen der Anleger gewinnen. Daneben muss natürlich auch die Anlageklasse Wein ihre Vorzüge unter Beweis stellen und die Weinszene ihre Skepsis überwinden.
Stichwörter: Blue Capital Weinfonds