Claret Chip Index wöchentlich

Die Weinbörse Liv-ex wird ihren Weinindex “Claret Chip Index” nun wöchentlich veröffentlichen. Die Berechnung erfolgt auf Basis der Daten (Mid-Price) vom jeweiligen Freitag und der neue Index Stand wird dann am Montag (erstmalig am 26.01.) auf der Internetseite der Liv-ex bekanntgegeben. Der Index beinhaltet 31 Weine, die im Liv-ex 100 eine Gewichtung von 57% ausmachen. Somit kann zumindest die grobe Tendenz für den “großen Bruder” abgelesen werden.

Gedankenspiele

Marke “Madoff”
Die Finanzkrise zeigt, wie vorsichtig man als Anleger bei der Geldanlage agieren sollte und wie wichtig es ist, dass eine unabhängige Instanz die Transaktionen, Bestände, Bewertungen, etc. von Fonds sorgfältig kontrolliert. Spektakulärer Höhepunkt war bislang das Schneeballsystem Marke “Madoff”. Einem Artikel des Handelsblatt kann man entnehmen, dass die US-Behörden seit Anfang des Jahres alleine 6 solcher Systeme gemeldet haben. Nun ist das Jahr noch sehr jung und man darf davon ausgehen, dass es noch weitere “Enthüllungen” geben wird.

Schneeballsystem auch im Weinbereich denkbar?
Hypothetisch und ohne einen einzigen konkreten Anhaltspunkt dafür zu kennen, sehe ich grundsätzlich auch bei den offenen Weinfonds neuerer Art zumindest die Gefahr, dass eine Art “Schneeballsystem” denkbar wäre. Grund Nummer 1: Es gibt keine feste Laufzeiten, d.h. Anleger erwarten nicht gemeinsam zu einem vorher festgelegten Termin auf eine Auszahlung. Grund Nummer 2: Verkauf der Anteile nur mit zeitlicher Verzögerung  (3 Monate) möglich. Dies dient dazu, Teile der Bestände marktschonend zu verkaufen. Hypothetisch könnte diese Zeit auch dazu dienen, neue Investoren für die Auszahlung dieser fällig gestellten Anteile zu aquirieren um dadurch zu vermeiden, größere Positionen aktiv auf dem Markt verkaufen zu müssen und damit die Performance des eigenen Fonds zu verschlechtern. Grund Nummer 3: Investments sind mittel- bis langfristig ausgelegt. Grund Nummer 4: Weinfonds sind keiner offiziellen Aufsichtsbehörde und damit Prüfungen unterworfen. Grund Nummer 5: Die Weinbestände sind oft über mehrere Länder und Lagerhäuser verteilt. Eine genaue Überprüfung wäre sehr aufwendig und zeitintensiv. Grund Nummer 6: Performance. Einzelne Weinfonds weisen selbst in den letzten Monaten eine positive Performance aus. Dies kann natürlich auch an den Fähigkeiten des Managements liegen.

Ich möchte in keiner Weise auch nur einem Fondsbetreiber ein solches Verhalten unterstellen, aber hypothetisch sehe ich zumindest das Risiko eines solchen Schneeball-Konstruktes. Bei geschlossenen Weinfonds, wie sie hier in Deutschland aufgelegt wurden bzw. am Markt sind, ist diese Gefahr aus meiner Sicht nicht gegeben.

Weinpreise Tei 2

Das Thema Weinpreise im “Fine-Wine” Bereich ist umfangreich. Es gibt nicht einen zentralen Markt, wo sich die Preise bilden, sondern es gibt diverse Weinauktionen und auch die Weinbörse Liv-ex kann sicherlich nicht als einzige Referenz herangezogen werden. Somit ist es sinnvoll, mehrere Quellen miteinander zu verknüpfen, um eine solide Preisbasis zu ermitteln und um “Ausreißerpreise” einordnen bzw. relativieren zu können.  Hier liegt auch eine große Schwäche bei der hier im Blog schon mehrmals kritisierten Bewertung von Fondsbeständen. Insbesondere in weniger liquiden Weinen besteht die Möglichkeit der Preismanipulation zum entsprechenden Stichtag, wenn man nur die Preise der Weinbörse zugrunde legt. Ein breiteres Fundament an Daten -insbesondere von Auktionen- wäre hier sinnvoll. Zudem könnte man hierdurch zu extremen Preissprüngen vorbeugen. Ich habe bei der Preismatrix in zwei Datenquellen unterteilt: die Premiumquellen (Liv-ex, Sotheby´s London, Christie´s London) und Sekundärquellen (ebay + andere Weinauktionshäuser).

Liv-Ex Monatsreport Dezember 2008

Der Dezember war von einem hohen Handelsvolumen geprägt. Der Liv-Ex 100 beendete den Monat mit einem Minus von 2.2 Prozent und das Gesamtjahr 2008 mit einem Minus von 14.6 Prozent, der erste Verlust auf Jahresbasis seit 2004.

Das Hauptgeschehen spielte sich in den jüngeren Jahrgängen ab, wobei der 2003´er im Mittelpunkt des Handelsinteresses stand. Aber auch der 2005´er Jahrgang scheint nach dem Preisrückgang wieder vermehrt in den Blickpunkt (15 Prozent des Gesamthandelsvolumen) der Händler und Investoren zu geraten. Unter den Monatsgewinnern ist u.a. Cos d´Estournel 2003 (+10,4%) und  Margaux 2004 (+5.6%) zu finden. In der Liste der Monatsverlierer sind u.a. Cheval Blanc 2005 (- 11%) und Margaux 2005 (-13.9%) vertreten.

Bei den Indizes der Liv-ex sind einige Veränderungen vorgenommen worden. Neben dem Austausch von einigen Weinen im Liv-ex 100 und Liv-ex 500 ist hervorzuheben, dass der Claret-Index nun wöchentlich berechnet wird.

Weinpreise

Im Rahmen der in Kürze gehenden Blogerweiterung habe ich mich intensiv mit dem Thema „Weinpreise“ im Fine-Wine Bereich beschäftigt. Die Frage lautete: „Wie könnte man einen aktuellen Marktpreis/ Richtpreis für einzelne Weine ermitteln?“. Nutzt man zu diesem Zweck eine Weinsuchmaschine, ist dies nicht wirklich hilfreich. Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind zu groß, die Angebote zum Teil nicht aktuell, die Qualität der Flaschen unterschiedlich, etc……  Zudem war es in meinen Augen klar, dass man den internationalen Weinauktionsmarkt und die Daten der Weinbörse Liv-ex bei der Preisermittlung berücksichtigen muss, da hier Angebot und Nachfrage unmittelbar aufeinandertreffen bzw. die Preise des Haupthandelsplatzes Großbritannien ausgewertet (List-Prices) werden. Das Problem dabei ist, dass an diesen Handelsplätzen meist nur ganze “cases” gehandelt werden, die Richtpreise sich aber auf Einzelflaschen beziehen sollten. Somit habe ich die Preise zunächst durch zwölf geteilt und aufbereitet (Wechselkurs, Steuern), um eine Basis für eine Preismatrix zu erhalten. Diese Preismatrix wurde dann noch um weitere Daten (z.B.nationale Auktionen) ergänzt und die einzelnen Bestandteile unterschiedlich gewichtet.  Das Ergebnis für diverse Weine werde ich in Kürze hier im Blog veröffentlichen.  Zudem werde ich noch einige Feineinstellungen vornehmen….Fortsetzung folgt.

Round Table

Auf Initiative von Mario Scheuermann wird am 04.02. 2009 ein Round-Table-Gespräch in Hamburg zum Thema “Quo vadis vinum? - Agenda 2020 des Weins aus” stattfinden. Als Gast wurde der führende Weinanalyst Arend Heijbroek von der Rabo-Bank eingeladen, zudem werden diverse Weinblogger an diesem Gespräch teilnehmen.  Weitere Informationen findet man an dieser Stelle. Persönlich finde ich die Idee des Round-Table sehr gut und ich freue mich bereits zum einen auf das Gespräch und zum anderen darauf, andere Weinblogger kennenzulernen.  

Inhalt des Blogs

Gestern Abend erreichte mich noch eine interessante email. Inhaltlich ging es darum, dass in meinem Blog für eine Dienstleistung geworben (Banner) werden sollte, die im Bereich des Weininvestments angesiedelt ist. Gleichzeitig sollte die Berichterstattung über das Thema etwas subjektiver und weniger kritisch erfolgen.

Ich habe auf diese email nicht geantwortet sondern direkt gelöscht. Meine Antwort gebe ich hier im Blog:

Ich sehe das Weininvestment als ernsthafte Investmentalternative und Portfoliobeimischung an.  Es ist aber nicht meine Absicht, das Thema einseitig zu behandeln und nur die positiven Aspekte hervorzuheben. Ich halte dies auch für unseriös, da es dem Thema nicht gerecht wird. Zudem gibt es keinen “free lunch” und eine potentielle Rendite muss auch im Verhältnis zu den damit verbundenen Risiken gesehen werden. Dies wird auch in Zukunft in meinem Blog so gehandhabt.  Ich hoffe, dies reicht als Erklärung! 

Potentielle “Spätfolge”

Der Markt für hochwertige Weine lebt grundlegend von dem Prinzip Angebot und Nachfrage.  Im Soge der Finanz-/Wirtschaftskrise sind die Preise für hochwertige Weine unter Druck geraten, da Händler/ Fonds ihre Bestände aus unterschiedlichen Gründen aktiv im Markt verkaufen mußten. Nun beruhigt sich die Lage etwas, die erste Verkaufswelle scheint überstanden zu sein. Für die nahe Zukunft darf man  gespannt sein, wo die Reise hingeht, diverse Szenarien sind dabei denkbar.

Unter einem längerfristigen Zeithorizont könnte sich ein weiteres Problem ergeben.  Im Soge der derzeitigen Unsicherheit wird der Konsum von edlen Rotweinen zurückgehen- sowohl im privaten, als auch im geschäftlichen Bereich. Spesenausgaben werden zurückgeschraubt, was insbesondere Restaurants mit einem hochwertigen Weinangebot zu spüren bekommen. Zudem ist speziell der Haupthandelsplatz London von der Wirtschaftskrise betroffen, wo Geschäftsessen gerne mit einer guten Flasche Wein begleitet wurden.  Im privaten Bereich wird sicherlich die ein oder andere Flasche lieber “gebunkert” als ausgetrunken.

Somit schränkt sich derzeit ein wichtiges Kriterium für einen funktionierenden Weinmarkt nicht unerheblich ein- der Konsum.  Selbst wenn diese Bestände dann später noch effektiv getrunken werden sollten, so wird dies doch Auswirkungen auf die Nachfrage haben, da zunächst die eigenen Lager “geplündert” – und danach erst wieder aufgefüllt werden.  Auch wenn andere internationale Märkte sich derzeit immer noch als Nachfragemotor betätigen, man sollte diesen Aspekt bzw. dieses latente Risiko nicht aus den Augen verlieren.

Realitätsverlust?!?!?!

Wenn ich mir die Meldung im Planet Bordeaux zum Jahrgang 2008 durchlese, frage ich mich, ob der Verband der Bordeaux-Winzer an Realitätsverlust leidet. Ansonsten kann ich mir die Äußerung, dass der Jahrgang 2008 wegen der äußerst geringen Ernte und der hohen Qualität sich zu einem der teuersten Jahrgänge seit langem entwickeln könnte, in keiner Weise erklären.  Sollte sich dies in den Primeur-Preisen niederschlagen, wird das wahrscheinlich Wellen schlagen, deren Auswirkungen man derzeit nur erahnen kann.  Sollte die Qualität jedoch wirklich so gut sein und man trägt bei der Preisgestaltung den Forderungen der Weinhändler Rechnung, kann sich in der Tat ein nicht unerhebliches Spekulationspotential für die Zukunft entwickeln.

Lafite 2005

Dem Ticker “Recent Trades” der Liv-ex kann man entnehmen, dass heute eine Kiste Château Rothschild zum Preis von 3025 Euro den Besitzer gewechselt hat. Der Preis ex-Château betrug damals 300 Euro für die 0,75 L Flasche. Wichtige Ergänzung: Es handelte sich dabei um eine Kiste mit 6 Flaschen. Dies hatte ich ursprünglich übersehen, da an der Liv-ex meistens nur Kisten mit 12 Flaschen gehandelt werden. Damit relativiert sich der Preis wieder etwas…….