Marktbericht
Krise erreicht professionellen Weinmarkt
Nun hat die Finanzkrise auch den Markt für hochwertigen Wein erwischt. Der Weinindex Liv-Ex 100 verliert im Oktober zweistellig, die Weinauktionen in Amerika verlaufen “schleppend”, offene Weinfonds haben nicht unerhebliche Mittelabflüsse zu verzeichnen. Lange Zeit hat sich der Weinmarkt tapfer geschlagen und sich den Turbulenzen der Finanzmärkte entzogen, aber am Ende konnte er sich der weltweiten Krise nicht entziehen. Einige Kritiker des Weininvestments fühlen sich nun bestätigt und können eine gewisse Schadenfreude nicht verbergen.
Weinbörse Liv-Ex
Persönlich verfolge ich das Geschehen an der Liv-Ex fast täglich. Viele internationalen Weinfonds und Weinhändler nutzen diese (sehr praktische) Plattform für den An-und Verkauf. Zudem werden die Preise der Weinbörse für die Bewertung der Fondsbestände herangezogen. In diversen Blogbeiträgen habe ich auch schon immer auf die Gefahren hingewiesen, die dabei bestehen- Stichwort Nadelöhr, Liquidität und Bewertungsansatz. Und genau diese Probleme sind nun Realität geworden:
Nadelöhr
Händler und Weinfonds treten als Verkäufer auf. Händler da sie ihre Bestände verkleinern wollen, die Weinfonds, da sie “Cash” für Mittelabflüsse benötigen. Als erstes kommen hierfür Positionen in Betracht, die ein entsprechendes Gewinnpolster aufweisen, zum Beispiel Lafite Rothschild. Grundsätzlich ist im Weinmarkt Geduld angesagt, wenn man sich von Positionen trennen möchte. Wenn Marktteilnehmer diese nicht haben, werden die Kaufseiten ohne Gnade aktiv bedient und die Verkaufsseiten vollgepflastert, was dann zu erheblichen Verlusten bei einigen Weinen führen kann, insbesondere wenn der Verkaufsdruck gleichzeitig von mehreren Seiten kommt.
Liquidität
Hinzu kommt das Problem der Liquidität. Bei diversen Weinen ist das Orderbuch komplett leer, so dass ein Verkauf erst gar nicht möglich ist. Bei anderen- liquideren- Weinen weitet sich der Spread zwischen An- und Verkaufskursen infolge der Unsicherheit massiv aus. Potentielle Verkäufer müssen zum Teil große Abschläge in Kauf nehmen. Waren früher die Kaufseiten gut gefüllt und die Verkaufsseiten ausgedünnt, ist dies nun genau umgekehrt, was auch damit zu tun hat, dasss die Hauptakteure der Weinbörse gleichzeitig die Seiten gewechselt haben.
Rendite Weinfonds
Und auch die Renditen der Weinfonds werden bei den Anlegern, die nun Geld abziehen, spärlicher ausfallen, als vielleicht angenommen. Denn die Anleger erhalten ihr Geld erst nach einer vertraglich festgelegten Dauer. Und die wird am Ende effektiv schlechter ausfallen, als manch einer vermuten wird. Was sicherlich auch mit den gängigen Midprice-Bewertungsansätzen der Fonds zusammenhängt, die in meinen Augen nicht der Realität im Weinmarkt angemessen ist.
Einstiegschance
Aber wenn man diese Faktoren/ Probleme bei dem Weininvestment berücksichtigt, bietet der professionelle Weinbereich jetzt im Augenblick ideale Voraussetzungen, um ausgewählte Positionen unter einem längerfristigen Horizont langsam aufzubauen und diesen Ausverkauf auszunutzen. Ob man dies über den Umweg eines Weinfonds macht oder in anderer Form, sollte jeder für sich selbst entscheiden.








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