Ausblick Weinmarkt
Finanzkrise und Weinmarkt
Die Finanzkrise zieht weiter ihre Kreise, die endgültigen Folgen sind noch nicht absehbar. Man könnte sich nun die Frage stellen, wie sich die Krise auf den Markt für hochwertige Weine auswirkt.
Weinbörse und Auktionsmarkt
Eine pauschale Antwort ist meiner Meinung nach derzeit nicht möglich, da sich der heutige Weinmarkt nicht mit dem zur Zeit der Asienkrise vergleichen läßt. Der Liv-Ex mußte im September ein Minus von 3,7 Prozent verzeichnen, ein moderates Minus im Vergleich zu den Finanzmärkten, aber trotzdem könnte man diese Entwicklung als erstes Indiz dafür werten, dass sich die Krise nun auch auf den Bereich des “Fine Wine” auswirkt. Der europäische Auktionsmarkt im September zeigte sich dagegen robuster und konnte bei den Versteigerungen sein hohes Niveau verteidigen bzw. leicht ausbauen.
Die Preise im Fine Wine Bereich kannten in den letzten Jahren nur die Richtung nach oben, was der Chart des Liv-Ex 100 eindrucksvoll veranschaulicht. Unter anderem der sehr hoch gelobte, aber noch sehr junge Jahrgang 2005, konnte dabei bereits beachtliche Preissteigerungen verzeichnen. Das Potential nach oben erscheint in diesem Jahrgang bis auf weiteres ausgereizt. Die Vermutung liegt nahe, dass sich Händler und Investoren von Teilen ihrer Bestände des Jahrgangs trennen, da sie zum einen kurzfristige Gewinne mitnehmen und zum anderen die Weine bereits “zu teuer” sind und daher von ihnen in der nahen Zukunft kein weiteres Aufwärtspotential zu erwarten ist. Da der Liv-Ex 100 zu einem nicht unerheblichen Teil aus Weinen dieses Jahrgangs besteht, ist die Gefahr groß, dass der Index unter diesen Voraussetzungen weiter nachgibt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Auktionsmarkt ebenfalls diese Richtung einschlägt, da dieser zum einen breiter aufgestellt ist und zum anderen regelmäßig Auktionen mit einzelnen Schwerpunkten (z.B. Jahrgang 2000) stattfinden. Somit ist es durchaus denkbar, dass sich die beiden Märkte unterschiedlich entwickeln bzw. unterschiedlich stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine potentielle Entwicklung die auch durch die unterschiedlichen Akteure an den beiden Marktplätzen bedingt werden könnte.
Persönlich glaube ich, dass die großen internationalen Weinfonds nun Mittelabflüsse zu verzeichnen haben. Daher werden Bestände in der kommenden Zeit sukzessive abgebaut, wobei sich die Frage stellt, wie marktschonend dies an der Liv-Ex geschehen kann, auch wenn die einzelnen Teilnehmer ein Interesse daran haben werden, sich nicht gegenseitig die Performance zu “vermiesen”.
Auswirkungen auf Nachfrage
Als nächstes stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Finanzkrise auf die internationale Nachfrage nach hochwertigen Wein haben wird. Naturgemäß wirkt sich solch eine Krise erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung aus. Sicherlich wird die Nachfrage in Mitleidenschaft gezogen (z.B. in der Finanzbranche), aber man sollte auch berücksichtigen, dass viele Leute jetzt nicht einfach mittellos sind und es sich bei diesen Leuten um ein Jammern auf hohem Niveau handelt. Das Segment “hochwertiger Wein” spricht eine Klientel an, die trotzdem auf ihren Luxus nicht verzichten muß.
Zudem ist die Nachfrage auf eine bedeutend größere internationale Basis als damals zur Asienkrise gestellt.Vielleicht findet auch ein Umdenken bei Weinfreunden und Anlegern statt. Wenn man in Zertifikate von Lehman Brothers investiert hat, erleidet man als Anleger u.U. aufgrund des Emittentenrisikos einen Totalverlust. Dieser ist beim Weininvestment nahezu ausgeschlossen. Vielleicht setzt daher auch ein Trend zur Anlage in Wein, Antiquitäten, etc. ein………
Somit bleibt festzuhalten, dass es in meinen Augen derzeit nur sehr schwer möglich ist, eine verbindliche Aussage zu der Tendenz des Weinmarktes zu treffen, da es eine vergleichbare Situation noch nie gab. Die Anlageklasse Wein kann sich nun bewähren und derzeit tut sie es auch noch. Sollte sich die Krise weiter zuspitzen und die Weltwirtschaft nachhaltig auf nicht absehbare Zeit in Mitleidenschaft gezogen werden, wird wahrscheinlich auch der Weinmarkt in die Knie gezwungen.
05.12.08 um 16:28
Der Artikel ist sehr interessant. Es ist eine neue noch ie dagewesene Situation, aber es gibt Anzeichen für eine Entwicklung, die von hochpreisigen zu mittelpreisigen, oft genau so guten Weinen geht. Diese Mittelpreisschiene, die jahrelang drohte zwischen Preiseinstieg und Premieunklasse unter zu gehen, erlebt eine Renaissance.Damit auch Weinbaugebiete, die bisher nicht so hoch im Image lagen, z.B. in Österreich das größte Weinbaugebiet, das Weinviertel.
Gruss Manfred Veit